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Christian de Duve (1917), Belgien

Wie bei vielen wissenschaftlichen Entdeckungen spielten Zufall und Unvorhersehbares eine bedeutende Rolle. Bei der Untersuchung des Wirkmechanismus von Insulin im Rahmen der Erforschung des Diabetes- und Kohlenhydratstoffwechsels wich die erwartete Aktivität der untersuchten Säure (Phosphatase) signifikant von den Erwartungen ab. Als de Duve erkannte, dass dies etwas Neues war, verlagerte er den Schwerpunkt der Forschung auf diesen neuen ‚Mechanismus des Latenzphänomens‘. De Duve postulierte, dass das Enzym von einer Membran umgeben war, die es daran hinderte, die anderen Zellkomponenten zu beeinflussen.

1955 führte De Duve den Begriff Lysosom ein, um das zu beschreiben, was damals noch ein hypothetisches Teilchen war, das mit dem Mikroskop noch nicht beobachtet wurde. Später im selben Jahr gelang es dem amerikanischen Wissenschaftler Alex Novikoff, das Lysosom mit dem Elektronenmikroskop zu demonstrieren. Während der weiteren Untersuchung wurde klar, dass die Lysosomen nicht nur die Speicherorte der sauren Phosphatase waren, sondern auch von verschiedenen Arten von Enzymen, die alle zur Gruppe der lytischen Enzyme gehörten oder mit der Zersetzung befasst waren. Weitere Studien zeigten, dass die Vielfalt der Enzyme im Lysosom so groß war, dass fast alle Makromoleküle, die an der Zellzusammensetzung beteiligt sind, von den lysosomalen Enzymen zersetzt werden konnten.
Es ist jetzt klar, dass Lysosomen die Hauptkomponenten eines intrazellulären Verdauungssystems sind, das in einer Vielzahl von Zellen sowohl in Pflanzen als auch in Tieren erkannt wurde. Die Entdeckung des Lysosoms und seiner Wirkung und Funktion hatte auch wichtige Konsequenzen für die Medizin. Bei Krankheiten wie Rheuma, Krebs, Arthritis, Infektionen, Vergiftungen und bei einigen Erbkrankheiten steht die Rolle des Lysosoms heute im Mittelpunkt der wissenschaftlichen Aufmerksamkeit. De Duve hat nicht nur das Lysosom entdeckt, sondern auch das Peroxisom, ein weiteres Zellpartikel, in dem eine Reihe von Enzymen lokalisiert werden kann, obwohl deren Aktivität nicht latent ist wie bei den lysosomalen Enzymen.

Über den Preisträger

Christian de Duve, belgischer Staatsangehöriger, wurde am 2. Oktober 1917 in Thames-Ditton (UK) geboren. Er studierte Medizin an der Universität von Louvain (Doktor der Medizin in 1941), danach spezialisierte er sich auf Chemie am Nobel-Institut in Stockholm und auf Biochemie am Institut für Biologische Chemie der Washington University Medical School in St. Louis (USA). Von 1947 bis 1951 war er Dozent für physiologische Chemie an der Katholischen Universität Löwen, später Professor an der gleichen Universität und Leiter der Abteilung für Physiologische Chemie ernannt. 1962 wurde er Professor und Leiter der Abteilung für Biochemische Zytologie an der Rockefeller University, New York (USA).

De Duve begann seine wissenschaftliche Karriere mit der Erforschung von Diabetes und Kohlenhydratstoffwechsel. Weitere Studien führten ihn zur Entdeckung des Lysosoms.

De Duve hat eine große Anzahl von Artikeln veröffentlicht und saß unter anderem in den Redaktionsausschüssen des Journal of Theoretical Biology und des Journal of Cell Biology. Er ist immer noch einer der Herausgeber der Subzellulären Biochemie und der Präparativen Biochemie. De Duve ist Ehrenmitglied verschiedener Vereine (z. die American Academy of Arts and Sciences), erhielt Ehrentitel von den Universitäten Turin, Leyden und Sherbrooke (Kanada) und erhielt mehrere Auszeichnungen, darunter den Nobelpreis für Medizin im Jahr 1974 mit Albert Claude aus Belgien und George Emil Palade der Vereinigten Staaten von Amerika.

De Duve verstarb im Mai 2013.

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